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Abendstimmung am Forggensee, kurz bevor der Lech das Gebirge verlässt.

Lech

Der letzte Wilde – im Lechtal darf er das noch sein.
Der letzte Wilde – im Lechtal darf er das noch sein.
Im ewigen Niemandsland des Lechquellengebirges, entstammt der Lech. Bild: Wikipedia, Josef Saurwein
Im ewigen Niemandsland des Lechquellengebirges, entstammt der Lech. Bild: Wikipedia, Josef Saurwein
In Langweid befindet sich das Lech-Museum in dem historischen Gebäude des 1908 in Betrieb genommenen Kraftwerks.
In Langweid befindet sich das Lech-Museum in dem historischen Gebäude des 1908 in Betrieb genommenen Kraftwerks.
Lechmündung in die Donau, 2.497 Kilometer vor dem Erreichen des Schwarzen Meers.
Lechmündung in die Donau, 2.497 Kilometer vor dem Erreichen des Schwarzen Meers.

„Damals, als die Welt noch jung war, wurde der Lech geboren, tief drinnen im Gebirge, weit oben inmitten grausiger Berggeister. Hier entsprang fortan der Lebensspender, erst zaghaft, dann forsch, dann unaufhaltsam – im ewigen Kreis des Wassers. Gespeist von zahllosem Zufluss zu beider Seiten wuchs der Lech zu einem gewaltigen Fluss heran, doch sein Daheim ist tief im Berg …“

So ähnlich könnte sich eine Sage zur Entstehung des Lechs anhören. Und wer weiß das schon so genau mit den Berggeistern? Fest steht, der Lech ist von seiner Natur nicht nur gewaltig, sondern auch gewalttätig, was verheerende Hochwasser seit grauer Vorzeit belegen. In der prähistorischen Zeit war das unproblematisch. Als der Mensch hinzukam und mit ihm die Vorstellung von Besitz, wurde die Sache zum Problem. Da man nicht immer wieder neu aufbauen wollte, was durch Hochwasser zerstört wurde, kam der Wunsch auf, Flüsse zu bändigen. Mit der Nutzung der Elektrizität folgte der Bau von Staudämmen. In der übersatten Welt von heute mag so ein „Naturfrevel“ unvorstellbar erscheinen, damals wurde das schlicht als Notwendigkeit gesehen, um den Fortschritt, seinerzeit noch ein Freund, voranzubringen, was schließlich auch gelungen ist.

Der Lech besteht heute aus drei Teilen, dem oberen, mittleren und unteren Lech, die sich auch klar unterscheiden. Der obere Lech ist einer der letzen Wildflüsse Europas, wild und ungestüm, ganz seinem Naturell entsprechend. Auf Einhegung wurde fast durchgehend verzichtet und die kleinen, bezaubernden Dörfer, die hier an den Lech gebaut wurden, halten oft einen respektablen Abstand zum Fluss, auch wenn er da sogar noch relativ klein ist.

Ab dem Lechfall ändert sich die Situation völlig und der „letzte Wilde“ wird zum „zahmen Milden“, zumindest bei nur oberflächlicher Betrachtungsweise. Eine Aneinanderreihung von 26 Stauseen, allen voran der 1954 in Betrieb genommene Forggensee, bildet den mittleren Lech, der mit dem Mandichosee kurz vor dem Augsburger Stadtwald endet. Trotz der scheinbaren Zähmung haben auch hier die Menschen nicht ihren Repekt vor dem Fluss verloren und wissen noch um die eigentliche Natur des gebürtigen Lechtalers.

Der Charakter des

unteren Lechs hingegen liegt in seinen Kanälen. Die historische Wasserwirtschaft Augsburgs soll zum

UNESCO-Weltkulturerbe

erklärt werden. Das riesige städtische Kanalsystem, ober- und unterirdisch, durchzieht die Stadt seit Jahrhunderten. Kurz hinter Augsburg, bei Gersthofen, beginnt der 18 Kilometer lange Lechkanal, der sich aus Lechwasser speist und an dessen Ufern sich große Industrieanlagen angesiedelt haben um das Wassers zu nutzen. Unterhalb Thierhauptens fließen Lech und Kanal schließlich wieder vereint in einem Bett, umgeben von einem breiten Waldgürtel um letztlich bei Marxheim in die Donau zu münden.

Mit Einzug des Wohlstands hatten die Menschen erstmals die Muße, sich um die Natur zu sorgen, was den Blick verändert. Daher wird heute versucht, die ökologischen Auswirkungen der Anlagen zu erfassen und, wo es realisierbar ist, auch zu heilen. Vielverspechende Versuche mit Fischtreppen und Uferbegrünung lassen hoffen, dass im Laufe der Zeit die Betonbecken der Stauseen wieder zu vollwertigen Uferbereichen werden und der heimischen Flora und Fauna Platz und Schutz bieten, wie das bei natürlichen Seen auch der Fall ist. Eine fried-

liche Koexistenz von Mensch und Natur wäre dabei ein schönes Ziel.

Zu Beginn, nach Verlassen des Quellgebirges, befindet sich der noch junge Fluss im Naturpark Tiroler Lech, dessen besonderen Schutz er bis zum Überschreiten der Grenze nach Deutschland genießt. „Lebensraum Lechtal e. V.“, ein Verbund von Landkreisen entlang des deutschen Lechs, soll sicherstellen, dass dieser Schutzstatus in ähnlicher Güte auch auch auf bayerischer Seite fortgeführt wird. Bis hin zur Mündung in die Donau durchfließt der Lech verschiedene kleinere und größere Schutzgebiete. Ganz am Ende wird es an der Lechstaustufe Feldheim nochmal richtig grün mit der Vogelfreistätte Feldheimer Stausee. Diese gilt „als europäisch bedeutsamer Rast- und Überwinterungsplatz nordischer Zugvögel sowie als Brut- und Mausergebiet für Wasservögel.“ so berichtet Wikipedia. Entlang des gesamten Lechs findet man viele bedeutende und großartige Sehenswürdigkeiten und viele bezaubernde Ortschaften, kleine und große. Unzählige Kirchen und Klöster, Kapellen und Feldkreuze schmücken das Land und zeugen von der Gottesfurcht früherer Generationen. Kunstvoll bemalt, von teils weithin berühmten Kirchenmalern, tragen die Bauwerke oft ganz besondere Kunstschätze und Reliquien in sich.

Sowohl für Wanderer als auch für Zweiradfreunde gibt es Abschnitte zu erwandern, bzw. zu erfahren. Der Tiroler Lech-Radweg führt von Reutte bis nach Steeg, der

Lech Erlebnis Weg bringt den Wanderer von Landsberg nach Füssen. Ein durchgehender Lech-Radweg – von der Mündung in die Donau bis nach Steeg in‘s obere Lechtal – ist derzeit in Planung und durchläuft gerade die bei derartigen Fernradwegen so üblichen Prozederes. Aber auch die anderen Abschnitte lassen sich jetzt bereits bestens zu Fuß erkunden und auch mit dem Rad dürfte man keine größeren Probleme haben. Gerade die Wirtschaftswege der Kraftwerksanlagen sind dafür bestens geeignet. Der neue Lech-Radweg ist geplant als „Grenzüberschreitendes Modellvorhaben für E-Mobilität und Digitalisierung im Tourismus“. Ein durchgängige Mobilfunk-

abdeckung in 5G-Qualität soll dabei die notwendige Infrastruktur schaffen für den Einsatz allermodernster digitaler Leit- und Navigationstechnik. Fotorealistische dreidimensionale Projektionen von Bauwerken via Smartphone oder Datenbrille sind heute keine Science-Fiction-Visionen mehr, sondern bereits machbar. Hier darf man gespannt sein auf die tatsächliche Umsetzung des ehrgeizigen Projekts.

An nahezu jeder Stelle des Lechs gibt es herrliche Flecken und jede Menge toller Sachen zu entdecken. Jeder Abschnitt hat seinen ganz eigenen Charme und oftmals entdeckt man Außergewöhliches, wo man es gar nicht erwartet. Dieser wundervolle Fluss hält einen mit seinem Zauber gefangen. Alles was man dabei benötigt, ist ein Blick für die Schönheiten dieser Welt und ein wenig kindlicher Neugier. Dann steht einer spannenden Lech-Erkundung nichts mehr im Weg, egal mit welchem Vehikel man sich auf den Weg macht. Entlang der Strecke sorgen unzählige Gastronomiebetriebe für das leibliche Wohl der Gäste, natürlich in bester Qualität. Ein gutes Angebot an Gepäck-

transporten sorgt für Unbeschwertheit bei der Tour selber und ob man nun lieber die Etappen schon im Vorfeld plant oder spontan nach Sicht entscheidet, wo man nächtigen möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Fast jeder der 256 Kilometer des Lechs hat seinen Reiz und auch fast jede der 70 Anliegergemeinden ist einen Abstecher wert. Freuen Sie sich auf eine interessante und abwechslungsreiche Reise durch ein schönes Stück Heimat. Folgen Sie dem Fluss und entdecken Sie seine drei Welten !■